+++ Luftpost 59 +++

Liebe Mitglieder des Fördervereins Rosinenbomber e.V.,

„The Grand Old Lady Turns 80“ schreibt das britische Magazin „Airliner World“ (ALW) in seiner Dezember-Ausgabe und würdigt in einem langen Artikel einen Flugzeugtyp, dessen erstes Exemplar 80 Jahr zuvor, 1935, erstmalig flog. Einen Flugzeugtyp, der in den folgenden Jahren zu Tausenden, mehr als 10.000 Originale und mehr als 5.000 Lizenzbauten, und in unterschiedlichsten Varianten gebaut wurde. Und einen Flugzeugtyp, von dem 80 Jahre später noch ein paar Hundert Exemplare existieren, eine ganze Reihe davon sogar flugfähig.

Sie ahnen bereits, um welchen Flugzeugtyp es dabei geht: es ist die „Douglas Commercial 3“, besser bekannt als DC-3.

Im Jahr der Inbetriebnahme der DC-3, 1935, ist es erst gut 30 Jahre her, dass die Gebrüder Wright in Kitty Hawk die ersten Hüpfer mit einem motorgetriebenen und vor allem steuerbaren Flugzeug unternommen haben. Die Bilder eines technischen Apparats, der aus Holzleisten, Drähten und viel Stoff besteht, sind uns allen sicher präsent.

Und nur rund dreißig Jahre später entstehen zwei Flugzeugtypen, die die Luftfahrtindustrie revolutionieren werden: die deutsche JU-52 sowie die amerikanische DC-3. Beide Maschinen sind „game changer“, die der zivilen Passagierluftfahrt, später dann auch in der militärischen Nutzung, bis dahin ungeahnte Möglichkeiten verleihen.

Als Nachfolgerin der DC-1 und DC-2 firmierte die DC-3 zunächst als „DST“ – was für „Douglas Sleeper Transport“ stand. Erstbetreiber American Airlines (AA) bestellte zunächst acht Stück dieser Variante und bot je Maschine 16 komfortable Schlafsessel an. Übrigens hatte die DST als erstes amerikanisches Luftfahrtzeug auch erstmals Kü- cheneinrichtungen, die es ermöglichten, den Passagieren warme Mahlzeiten anzubieten. AA, die am Ende 114 DST/DC-3 betrieb, konnte mit diesem Muster die Flugzeit von „coast to coast“ auf 15 Stunden reduzieren. Der Einsatz der DC-3 ermöglichte es AA, die sich Anfang der dreißiger Jahre in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand, wieder zurück in die Profitabilität zu finden. Die ALW zitiert in diesem Zusammenhang den damaligen Prä- sidenten von AA, dass es erst die DC-3 gewesen sei, die es aufgrund ihrer Wirtschaftlichkeit ermöglicht habe, mit dem Transport von Passagieren Geld zu verdienen. Entsprechend setzten auch andere große US-Airlines wie United und TWA auf dieses Muster.

War die DC-3 Anfang bis Mitte der dreißiger Jahre ein Produkt der stürmischen Entwicklung in der zivilen Luftfahrt, wurde sie auch relativ schnell wieder Opfer des Fortschritts, jedenfalls, um im heutigen Jargon zu bleiben, im Einsatz auf Rennstrecken und/oder Premiumdiensten: zu langsam, zu wenig Reichweite, keine Druckkabine, zu klein. Relativ schnell standen Nachfolger bereit. Bei Douglas waren dies bis zum Jet-Zeitalter die DC-4, -6 und- 7.

Die politischen Umstände der dreißiger und vierziger Jahre machten auch die Militärs auf dieses robuste Flugzeug aufmerksam, dass in unzähligen Versionen und großen Stückzahlen, häufig als Transporter, gebaut wurde. Am bekanntesten sind die Bezeichnungen C-47 „Skytrain“ bei der US Air Force und „Dakota“ bei der Royal Air Force. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, auf alle diese Aspekte einzugehen.

Spätestens Ende der vierziger Jahre erlangt unser Muster dann aber endgültig Weltruhm: im Einsatz als „Rosinenbomber“ bei der Berliner Luftbrücke wird es das Gesicht bei der Versorgung des auf dem Landwege abgeschnittenen Westteil Berlins. Und auch wenn die DC-3/C-47/Dakota im Verlauf der Luftbrücke durch Muster mit deutlich größerer Geschwindigkeit und Transportkapazität abgelöst wird, bleibt sie das Synonym schlechthin für „Luftbrücke“ und „Rosinenbomber“.

Und heute?

Nach Angaben der eingangs erwähnten ALW gibt es noch knapp 400 registrierte Exemplare, wobei unklar sei, wie viele davon noch flugfähig sind.

Wir haben eine davon – und zwar technisch flugfähig!

Hoffen wir, dass es möglichst schnell gelingt, die administrativen Barrieren beiseite zu räumen, damit es vom Tower in Berlin–Schönefeld bald wieder heißt: „D-CXXX, you are cleared for take-off.“

Herzlichst
Ihr Michael Rothe

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